Schlimme Momente fette Feministin unter dünnen Feministinnen zu sein #1

Okay, ja, ewig nichts geschrieben. Ich fühle mich aber nicht schuldig, 2016 war ein Jahr, dass ich gerne aus meinem Leben raus schneiden würde und bin deshalb froh, dass es in meinem Blog nie auftauchte.

Und hallo, ich bin noch immer fett_dick und fühle mich nicht schuldig dafür. Was ganz schön war allerdings, dass ich letztes und auch schon dieses Jahr mehrfach für Workshops zum Thema Fatshaming, Lookism und Awareness eingeladen wurde. Und leider immer noch viel zu  oft danach gesagt wird, wieso man sich (grade in linken und angeblich diskriminierungsfreien bzw -armen Räumen) noch nie so wirklich damit befasst hat. Aber besser spät als nie, ich freue mich ja über so was.

In der letzten Zeit fallen mir immer und immer mehr Momente auf, in denen ich beschissenes Zeugs erlebe. Also hinsichtlich meines Standings als fette Feministin. Und dann traurigerweise zu oft unter anderen Feminist_innen (die ablebodied/ dünn/ normschön/ sportlich sind). Ich möchte versuchen diese Momente darzustellen und dann zu erklären, wieso das für mich scheiße/ unangenehm/ unfeministisch und unsolidarisch ist. Da es einige Momente sind, schreibe ich immer mal wieder einen Beitrag. Ich möchte sie ungern in einem Post zusammenfassen, weil zu viel und zu lang etc.

“Ich bin total satt/ Ich hab viel zu viel gegessen/ Boah, hab ich mich wieder vollgefressen”

Ich bin irgendwo. Mit mindestens einer weiteren Person. In einer anderen WG, irgendwo in einem Restaurant, mit Döner auf einer Parkbank, voller Chips- oder Kekskrümel aufm Sofa. Random Orte also, mit Essen (ob noch vor sich oder bereits verspeist). Oben genannte Sätze und Sprüche fallen fast ausschließlich (ich hab über ein Jahr penibel darauf geachtet) nur von Frauen (von mir kam das auch schon, auch wenn ich mich danach immer ärgere es gesagt zu haben), die gesellschaftlich gesehen eher normschön und eher schlank sind. Sie klingen entweder stolz (weil hey, vollgefressen nach nem halben Döner ist für ne Frau eine krasse Leistung vong Schlanksein her) oder verschämt (weil der Döner aufgegessen wurde. Der ganze Döner. Am Stück! What!). Ich kaufe mir meistens nur soviel, wie ich letztendlich bereit bin zu essen. Oder- keine Ahnung- vielleicht bin ich einfach nur dermaßen verfressen, dass ich es einfach aufesse. Wenn mal was übrig bleibt, verschenke ich es gern oder esse es nach kurzem Fresskoma auf.

Also insgesamt ist diese Situation für mich bisher eher unangenehm, als wirklich schlimm. Meistens sind es eher die Momente, die danach kommen. Das heimliche Baucheinziehen, das Gemurmel, nicht mehr in die alten Hosen reinzupassen, die Erzählungen dazu, dass sie eigentlich so spät nichts mehr essen und dass sie einfach fett geworden sind. Und, das was wirklich schlimm daran ist, die Reaktion auf mein “Naja, wenn du fett bist, was bin ich dann?”. Darauf wird meistens geschockt reagiert und gesagt, dass das doch was ganz anderes ist. Klar ist es was anderes, weil wir andere Vorstellungen von uns und unseren Körpern haben. Ich träume von einer Welt, in der wir alle so aussehen können, wie wir das wollen. Aber wie wirkt das jetzt auf mich? Mir wird gesagt, dass es was anderes ist, weil ich ja so stark sei und zufrieden mit mir selbst. Ich kann das ja. Ob ich es wirklich kann und wie ich mich damit fühle. hat bisher noch niemand gefragt.

ABER: fett zu sein, sich satt zu essen, als Frau eine ganze Portion (auch eine große) am Stück zu essen, vor Fremden (vor allem Männern) zu essen wird als dermaßen böse dargestellt bzw angewendet. Abscheulich. Widerlich. Internalisierte und ansozialisierte Einschränkung von Essen, weil es etwas Böses ist (bzw die Folgen von Essen böse sind). Essstörungen als Folge dieses Verhaltens sind keine Seltenheit. Jemand vertraute mir mal an, nur deshalb vegan zu leben, um ganz offiziell nichts essen zu müssen und somit die Essstörung verdecken zu können. Wie schlimm das ist, dass zwar erwartet wird, dünn zu sein, aber Essstörungen keinen Platz haben dürfen! Wie schlimm es ist, von Menschen zu erwarten, die sich mit Fatshaming beschäftigen, immer zu 100% Selbstsicher zu sein und entsetzt zu sein, wenn sie es nicht immer sind. Selbst unter Feminist_innen. Autsch.

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“Stell dich nicht so an!”

Ich bewege mich in verschiedenen mehr oder minder linken Kreisen, teilweise in Freundes- und manchmal in Politkreisen. Überall gibt es unterschiedlichste Meinungen und Ansichten zu diesen und jeden Themen, von Zeit zu Zeit wird heftig debattiert und es fliegen auch durchaus Worte und Dinge durch die Luft, die nicht immer freundlich gesinnt sind. Das ist nicht immer unproblematisch, jedoch sind sich diese Gruppen alle relativ einig, wenn es um Diskriminierung geht. Diskriminierung aufgrund der Sexualität, des Genders, der Herkunft und der Religion gehen gar nicht (wobei es natürlich leider immer wieder Ausnahmen gibt, die besonders Frauen* und PoCs betreffen). Glücklicherweise braucht es immer weniger Diskussion um sexistische oder rassistische Leute von Parties oder aus linken Räumen zu werfen. Es muss sich immer weniger erklärt werden, wieso übergriffiges Verhalten zum Kotzen ist und nicht geduldet wird. Erfreulich, dass immer mehr versucht wird Veranstaltungen in barrierefreien Räumen zu veranstalten, dass auch Menschen im Rollstuhl ohne Stress und selbstbestimmt hin- und wieder wegkommen.

Ich habe in der letzten Zeit immer öfter erlebt, dass sich privilegierte für diskriminierte Menschen einsetzen und auf der einen oder anderen Party im “öffentlichen” (also nicht dezidiert “linken”) Raum sich einigen Ärger deswegen eingefangen haben. Es ist leider noch keine diskriminierungsfreie oder gar befreite Subszene, in der ich mich und viele andere sich bewegen. Das merke ich nicht nur daran, dass ich selbst noch Denkmustern unterliege, die scheiße und diskriminierend sind. Sondern auch daran, dass die Wichtigkeit des Kampfes gegen Diskriminierungen bei vielen Menschen sehr beschränkten Fokus haben.  Aber es ist ein erster Schritt in eine solidarische Richtung.

Wichtig ist der Kampf gegen Rassismus und Faschismus. Außerdem wichtig der gegen Antisemitismus. Mittlerweile (und nach langem Diskussionen und Thematisieren) auch der Kampf gegen Sexismus und Homophobie. So gut wie fremd ist der Kampf gegen Lookism und Fatshaming.

Ich habe schon mehrfach beobachtet, erzählt bekommen und am eigenen Leibe erfahren müssen, wie wenig sich eingesetzt wird, wenn Menschen aufgrund ihres Aussehens blöd angemacht werden. Und wie normal es ist, andere zu bewerten oder in Schubladen zu stecken aufgrund der Sneakermarke, die sie tragen. Wenn es tatsächlich so leicht ist nur aufgrund der Kleidung dieser oder jeder Strömung anzugehören, gehe ich nur noch mit einem Kartoffelsack vor die Tür. Wobei das nicht unbedingt dazu beitragen würde, dass man mich in Ruhe lassen würde.

Ich werde nämlich nicht nur lookistisch begutachtet, sondern auch gefatshamet (furchtbare Wortneuschöpfung). Wie oft es mir mittlerweile vorgekommen ist, dass mich Kerle (ich wurde bisher nur ein einziges Mal von einer Frau* gefatshamet- was es natürlich nicht besser macht) blöd angemacht haben, wenn ich fatpositive Beiträge geteilt habe auf Facebook oder Twitter. Ich solle gefälligst aufhören ungesunde Lebensweisen zu supporten. Dazu sehe das unsexy aus (aha, Frau* darf nicht unsexy sein, niemals unsexy sein. Muss ich mir fix irgendwo aufschreiben…). Und wieso ich eigentlich nicht einfach abnehme, ich bin doch “eigentlich” ne Hübsche. Manchmal wurde mir gesagt, dass ich mich schämen soll für das, was ich bin (eine schwanzabschneidende, fette… ja was? Feminist killjoy?). Mir wurde schon Gewalt angedroht (“Ich zwing dich schon zum Laufen, ist auch gut für deine Figur!”, offen ins Gesicht gesagt wie widerlich fett und abstoßend ich bin. Und wisst ihr was? Das kam alles von “linken” Menschen. In “linken Schutzräumen”.

Mir ist niemand zur Seite gesprungen, als ich mich einmal jemanden anvertraute, wurde nur gesagt, dass ich mich nicht so anstellen soll. Abnehmen wäre doch eigentlich eine gute Idee und die Dinge, die mir gesagt wurden, sind auch keine Diskriminierung. Mir gehts doch gut, mit meinem Gejammere lenke ich von denen ab, die ernsthaft diskriminiert werden.

Ich bin mit meinem Latein am Ende. Wenn meine Erfahrungen (und die der vielen anderen dicken_fetten Menschen innerhalb “linker” Räume) nicht wert sind beachtet und bekämpft zu werden, kann ich mich nicht mehr wohl fühlen. In der Gesellschaft eh noch nie, in “linken” Räumen auch nicht mehr. Nirgendwo mehr.

Fit-Shaming: das neue Fatshaming?

Da ich mich doch ziemlich für alle möglichen Formen des Lookisms und der antilookistischen Arbeit interessiere (obwohl die Auseinandersetzung damit teilweise eher Selbstkasteiung als Wissensaneignung ist), stolperte ich über den Begriff “Fit-Shaming”. Mein Mitbewohner-im-Geiste Chucky erzählte mir davon und ich begann zu recherchieren.

Fit-Shaming ist eine Abwehrhaltung gegenüber dem Fatshaming. Der Hintergrund ist folgender: eine Bloggerin setzte ihren Körper makellos auf einem Bild in Szene zusammen mit ihren drei Kindern. Dazu der Spruch “What’s your excuse?” (Was ist deine Entschuldigung?). Dieses Bild ging durch vieleviele Blogs und die Bloggerin Maria Kang, von der Bild und Spruch stammen, wurde dem Fatshaming beschuldigt. Meiner Meinung nach ist das kaum ein Wunder- wenn sich jemand auf diese Weise darstellt und alle, die von dem persönlichen Schönheitsbild abweichen, anklagt (nichts anderes sagt der Spruch “What’s your excuse?” aus).

Für sie war es anscheinend ein Wunder. Ich frage mich nur, was genau sie uns mit dem Bild sagen wollte? “Schau mich an, ich hab drei Kinder und hab nen flachen Bauch ohne Schwangerschaftsstreifen!” oder “Ich hab einen perfekten Körper, du nicht. Geh solange Sport machen, bis du so aussiehst wie ich!”? Wenn es die erste Intention wäre, würde ich sie feiern. EInfach weil ich es mag, wenn sich Frauen* selbstbewusst in Szene setzen und Raum einnehmen. Der SPruch auf dem Foto jedoch lässt mich eher an den zweiten Satz glauben. Meh.

Also noch mal zu den Begrifflichkeiten zurück: Fit-Shaming ist also eine Reaktion auf den Vorwurf des Fatshamings. Die Bloggerin Kang wurde des Fatshamings beschuldigt. Sie reagierte damit, dass sie empört darüber war, dass es anscheinend Menschen gibt, die ihr vorwerfen sportlich, sehr schlank und deshalb ablehnenswert zu sein. Die Idee des Fit-Shamings war geboren.

So weit, so wenig stimme ich dem zu. Hier haben wir nämlich wieder den strukturell gleichen (oder ähnlichen) Fehler, dass dünne und sportliche Menschen nicht in der Weise diskriminiert werden könne, wie dicke_ fette und/ oder unsportliche (wobei unsportlich weniger schlimm ist, als dick_fett sein). Natürlich ist es uncool, wegen des Körpers angegriffen und schlecht gemacht zu werden. Aber darüber sollte man nachdenken (und in der fiesen Onlinewelt rechnen), bevor man ein Statement veröffentlicht, was die Körper von anderen angreift und schlecht macht. Mir kommt es eher so vor, als hätte sie sich keine Gedanken darüber gemacht (vielleicht war der verletzende Spruch aus ihrer Sicht sogar empowernd gesehen? Wer weiß).

Es gibt bisher auch kaum Artikel oder Ähnliches zum Thema Fit-Shaming- vielleicht kennt ihr welche?

Viel zu…

Viel zu lange nichts geschrieben! In der letzten Zeit ist einiges passiert, was direkt oder indirekt mit meinem Blog zu tun hat. Seit Dezember war ich in einigen Städten und bei einigen Gruppen um dort meinen Workshop “Fatshaming&Lookism- ganz normaler Alltagswahnsinn?” zu halten und darüber zu diskutieren. Das war zwar anstrengend (4 Workshops in 2 Wochen sind irgendwann nicht mehr spaßig), aber ich freue mich über jedes Feedback mit dem Inhalt “Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht…”. Ich hoffe wirklichwirklichwirklich, dass Menschen, die sich noch nie darüber Gedanken gemacht haben, anfangen sich Gedanken zu machen. Oder zu merken, wie normal es ist andere Menschen aufgrund ihres Gewichts zu diskriminieren.

Ich merke immer wieder, wie wenig sich Menschen über Diskriminierung von anderen Gedanken machen. Mir geht es selbst so- ich bin sehr privilegiert dadurch weiß und ein Cis-Mensch zu sein. Wiederum in einer unterprivilegierten Rolle als Frau und vor allem als fette Frau, die einem genormten Schönheitsideal nie entsprochen hat.

Um diesem Scheißgefühl des “nie ausreichens” bzw des ewigen “hässlich fühlens und sich vor Anderen deswegen schämen zu müssen” zu entgehen, habe ich begonnen mich mit tollen Menschen zu umgeben, beidenen ich diese Gefühle nicht mehr permanent haben muss. Queerfeministische Ideen sind auf einmal standard, Diskriminierungsformen werden thematisiert und versucht- wenigstens innerhalb des Freund_innenkreises- zu minimieren.

Dass das nicht einfach ist und schon gar nicht immer klappt, ist klar. Verschiedene Denkweisen und Muster stecken so tief in uns drin, dass wir sie kaum loswerden können. Mir geht es selbst so: versuche ich doch Menschen über das Thema Lookism aufzuklären in meinen Workshops, denke ich trotzdem noch sooft “Wie sieht die_der denn aus?!” oder “Wenn sie_er nur ein kleines bisschen was anders machen würde, würde sie_er viel hübscher sein!”. Diese Gedanken sind so sinnlos- was bringts mir mich damit zu beschäftigen? Geht mich nichts an, wie andere aussehen, solange sie mich nicht danach fragen. So ist es nur eine ergebnislose Kopfvermüllung.

Ein Problem mit den unterschiedlichen Privilegien und Nachteilen führt es aber mit sich: ich habe manchmal das Gefühl, dass man versucht sich mehr ins Abseits zu stellen oder anderen verbietet (oder abrät) über andere Diskriminierungsformen zu sprechen oder diese darzustellen. “Das kannst du doch gar nicht nachvollziehen, du bist nicht betroffen!” oder “Du hast kein Recht darüber zu sprechen!”. Das ist sehr schwer. Innerhalb der Szene, in der ich mich bewege, gibt es zum Beispiel unterschiedliche Auffassungen darüber, wer zur “fetten Szene” dazugehören darf und wer nicht. Ab wann ist man fett genug? Gilt die Szene auch für Menschen, die früher fett und heute normiert sind? Sind nicht fast alle Frauen* wenigstens durch dumme Sprüche schon mal von Fatshaming betroffen gewesen?

Puh, Fragen über Fragen. Eins weiß ich aber: so wichtig es auch ist, auf diesen ganzen Privilegienapparat zu scheißen, so wichtig ist es auch darauf zu achten, andere nicht zu verletzen. Wenn eine nicht-weiße Frau* sich selbst pusht, indem sie erzählt, dass sie bestimmt die Beste seit langem im Bett für einen Kerl gewesen ist, ist das lustig, stark und empowernd. Wenn direkt danach aber der Satz kommt, dass weiße Frauen im Bett langweilig und schlecht sind und eine fette weiße Frau* in dieser Situation dabei steht die ihr gesamtes Leben eingeredet bekommt, dass sie niemals einen Kerl finden wird, der sie sexy findet, ist das entpowernd.

Was möchte ich damit sagen? Ich will auf keinen Fall sagen, dass meine Diskriminierungserfahrungen extremer oder schlimmer waren, wie die Erfahrungen von anderen. Nein, ich glaube außerdem nicht, dass man unterschiedliche Diskriminierungsformen 1:1 vergleichen kann. Aber es ist nicht so, dass man automatisch total aware ist, nur weil man diskriminiert wird (das sehe ich ja daran, dass ich lookistische Gedanken habe, obwohl ich Lookismus und Fatshaming so verabscheue).

Kein Mensch kann immer und per se für alles aware sein. Das ist menschlich. Aber jeder Mensch kann versuchen offen zu sein für die Diskriminierungserfahrungen von anderen und diese immer (!) ernst zu nehmen. Bitte hört nicht auf euch und euer Handeln zu reflektieren. Reflexion und die damit hoffentlich einhergehende Erkenntnis sind das einzige Mittel um Ausgrenzung und Diskriminierung zu überwinden.

42- die Antwort auf alle Fragen?!

Meine beste Freundin hat ein Problem, ein relativ  großes Problem würden jetzt einige behaupten. Eigentlich wäre es absolut kein Problem- würde da nicht permanent die Modeindustrie dazwischen funken: sie hat Schuhgröße 42/ 43.

Vielleicht würden jetzt einige verwundert den Kopf verdrehen, die in der Regel nur in der sogenannten Männerabteilung Schuhe einkaufen. Dort ist 42/ 43 eine absolut durchschnittliche Größe. In der Frauenabteilung hört der Spaß bei 42 auf. Einige wenige Geschäfte führen vereinzelte Paare in der Größe 43. Wenn man Glück hat findet man sogar Stiefel in unterschiedlichen Schaftweiten (weil Waden sehr dünn und sehr dick sein können und damit gerne mal von der Normgröße abweichen). Ich habe mit meiner total durchschnittlichen Schuhgröße von 40 totales Glück- 40 wird immer angeboten (nur ist es meistens ausverkauft, da irgendwie alle 40 haben, haha). In Klamottengeschäften wie H&M und Zara passen mir meistens (wenn überhaupt) nur die Schuhe in 42. Wieso ist das so? Versucht man so zu sagen, dass 40 schon viel zu riesig ist für Frauenfüße? Seltsamerweise werden in diesen Läden oft nur die Größen 36, 37, 38, 39, 40 und 41/42 angeboten. Als ob es etwas schlimmes wäre, 42 zu haben. Deshalb lieber mit einer Doppelgröße kaschieren.

Und so das Gleiche mit Klamotten: bis 42 gibt es alles. Danach ist es reines Glücksspiel. Jedenfalls in deutschen Klamottenläden. In britischen Geschäften wird die Kleidung bis Größe 20 produziert (20 ist 46 oder 48). Das ist zwar noch lange nicht perfekt, aber wenigstens etwas.

42 ist also keine Antwort und sollte vor allem keine Grenze sein.

Diät und der kapitalistische Hintergrund

Diätprodukte sollen es allen Menschen ermöglichen einfach und schnell dünn zu werden. Es gibt viele unterschiedliche Produkte und Konzepte, die teilweise sehr viel Geld kosten und meistens einen enormen Jo-Jo-Effekt haben (schnell abnehmen bedeutet meistens auch schnell wieder zuzunehmen).

Es werden gerade Frauen mit Schönheitsidealen und Mittelchen dafür bombadiert. Frauen und ihr von der Gesellschaft auferlegter Wunsch nach einem schlanken Körper sind quasi perfekte Konsumentinnen für einen riesigen Markt an Diätprodukten. Es gibt immer ein neues Mittel, was es angeblich noch schneller und einfacher macht endlich dünn zu sein. In vielen sogenannten “Frauenheften” wird jede Woche eine andere Diät vorgestellt, zuckerfreie und fettreduzierte Produkte werden “frauengerecht” gestaltet (Diätprodukte sind meistens in Pastelltönen gehalten und haben Schmetterlinge oÄ auf der Verpackung).

Das die angeblichen geschlechtlichen Unterschiede in der heutigen Zeit dermaßen hervorgehoben werden hat also vor allem kapitalistischen Hintergrund. Es gibt immer mehr Spielzeuge und Kleidung, die für Kinder nach Geschlechtern getrennt ist. Wo vor 50 Jahren alle Kinder noch die gleichen Klamotten trugen, scheint es heute wichtig zu sein schon Babies mit Fraben zu markieren. Genau wie Spielsachen- als ich früher im Toys’r’us war, gab es keine “Mädchen” oder “Jungen” Markierungen. Man versucht also nicht nur bei Essen sexistische Rollenklischees zu bedienen.

Zurück zu den Diätprodukten: wenn man sich die Inhaltsstoffe so ansieht, würde man erwarten, dass das alles nur total gesundes Zeug ist. Immerhin soll man ja damit abnehmen und abnehmen bedeutet ja angeblich gesund sein. Seltsamerweise befinden sich in 0% Joghurt mehr Zucker, als in Joghurt mit 3,5% Fett- kein Wunder. Sonst würde das Zeug gar nicht schmecken (kosten tuts sogar auch mehr als normale Produkte ohne Light- oder Diätaufdruck). Und angeblich ist doch Abnehmen so leicht, weil man ja immernoch die leckeren Diätprodukte essen kann. Diätprodukte sollen also gesund machen, obwohl sie dem Körper nichts gesundes geben.

Umschreibungen und “Nett sein- wollen”

Zu gesellschaftlich anerkannten Körpern sagt man ohne weiter drüber nachzudenken schlank, dünn, sportlich, schön. Wieso das so ist, ist uns wahrscheinlich allen klar: die erfüllen eine Norm, die allgemein als “gewollt, normal, positiv” bekannt ist. Für dicke und fette Menschen, die eindeutig nicht den Normvorgaben entsprechen, gibt es viele Bezeichnungen: die meisten sind aus der Not heraus geboren, weil man sich nicht traut zu sagen, dass jemand dick oder fett ist. Man nutzt andere Worte um auf keinen Fall dicke_fette Menschen in unangenehme Situationen zu bringen. Vielleicht auch weil Fettsein peinlich ist, selbst wenn man es nur erwähnt.

Das mag vielleicht nett gemeint sein mit dem “nicht in Verlegenheit bringen”, tatsächlich ist es ein sprachliches Unsichtbarmachen. Es gibt keine dicken_fetten Menschen, weder in der Werbung, in wichtigen Positionen oder Hauptrollen, noch im alltäglichen Sprachgebrauch.

Unterscheiden sollte man hier natürlich zwischen der offensiven Benutzung von negativ konnotierten Worten wie “Walross” und den einfachen Tatsache wie zB “du brauchst eine andere Kleidergröße wie ich”. Ich zB störe mich nicht daran, fett genannt zu werden, ich nenne mich selbst so und empfinde mich als fett. Ich möchte aber nicht anderen sagen “Du bist auch fett”, sondern viel lieber herausfinden, wie sich die andere Person fühlt (vielleicht findet die Person sich nicht als fett, sondern als “dick” oder “durchschnittlich”). Es ist wichtig darauf zu achten, welche Worte man wählt, denn auch durch unsensible Wortwahl können Grenzen überschritten werden.

Diese Grenzen sind sehr wichtig, vielleicht möchten manche Personen auch gar nicht von ihrem Körper sprechen. Sprüche wie “Aber du hast doch so nen geilen Körper, mach was aus dir!” klingen zuerst freundlich, können aber negativ wirken. Ob die betroffene Person ihren Körper als geil oder ungeil wahrnimmt liegt NICHT im Auge der Betrachtenden.

Die Sache mit den Grenzen und deren Einhaltung ist nicht immer ganz einfach, im Zweifel sprecht die Personen darauf an wie mit Be- und Umschreibungen der eigenen und fremden Körper umgegangen werden soll.