Umschreibungen und “Nett sein- wollen”

Zu gesellschaftlich anerkannten Körpern sagt man ohne weiter drüber nachzudenken schlank, dünn, sportlich, schön. Wieso das so ist, ist uns wahrscheinlich allen klar: die erfüllen eine Norm, die allgemein als “gewollt, normal, positiv” bekannt ist. Für dicke und fette Menschen, die eindeutig nicht den Normvorgaben entsprechen, gibt es viele Bezeichnungen: die meisten sind aus der Not heraus geboren, weil man sich nicht traut zu sagen, dass jemand dick oder fett ist. Man nutzt andere Worte um auf keinen Fall dicke_fette Menschen in unangenehme Situationen zu bringen. Vielleicht auch weil Fettsein peinlich ist, selbst wenn man es nur erwähnt.

Das mag vielleicht nett gemeint sein mit dem “nicht in Verlegenheit bringen”, tatsächlich ist es ein sprachliches Unsichtbarmachen. Es gibt keine dicken_fetten Menschen, weder in der Werbung, in wichtigen Positionen oder Hauptrollen, noch im alltäglichen Sprachgebrauch.

Unterscheiden sollte man hier natürlich zwischen der offensiven Benutzung von negativ konnotierten Worten wie “Walross” und den einfachen Tatsache wie zB “du brauchst eine andere Kleidergröße wie ich”. Ich zB störe mich nicht daran, fett genannt zu werden, ich nenne mich selbst so und empfinde mich als fett. Ich möchte aber nicht anderen sagen “Du bist auch fett”, sondern viel lieber herausfinden, wie sich die andere Person fühlt (vielleicht findet die Person sich nicht als fett, sondern als “dick” oder “durchschnittlich”). Es ist wichtig darauf zu achten, welche Worte man wählt, denn auch durch unsensible Wortwahl können Grenzen überschritten werden.

Diese Grenzen sind sehr wichtig, vielleicht möchten manche Personen auch gar nicht von ihrem Körper sprechen. Sprüche wie “Aber du hast doch so nen geilen Körper, mach was aus dir!” klingen zuerst freundlich, können aber negativ wirken. Ob die betroffene Person ihren Körper als geil oder ungeil wahrnimmt liegt NICHT im Auge der Betrachtenden.

Die Sache mit den Grenzen und deren Einhaltung ist nicht immer ganz einfach, im Zweifel sprecht die Personen darauf an wie mit Be- und Umschreibungen der eigenen und fremden Körper umgegangen werden soll.

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