“Stell dich nicht so an!”

Ich bewege mich in verschiedenen mehr oder minder linken Kreisen, teilweise in Freundes- und manchmal in Politkreisen. Überall gibt es unterschiedlichste Meinungen und Ansichten zu diesen und jeden Themen, von Zeit zu Zeit wird heftig debattiert und es fliegen auch durchaus Worte und Dinge durch die Luft, die nicht immer freundlich gesinnt sind. Das ist nicht immer unproblematisch, jedoch sind sich diese Gruppen alle relativ einig, wenn es um Diskriminierung geht. Diskriminierung aufgrund der Sexualität, des Genders, der Herkunft und der Religion gehen gar nicht (wobei es natürlich leider immer wieder Ausnahmen gibt, die besonders Frauen* und PoCs betreffen). Glücklicherweise braucht es immer weniger Diskussion um sexistische oder rassistische Leute von Parties oder aus linken Räumen zu werfen. Es muss sich immer weniger erklärt werden, wieso übergriffiges Verhalten zum Kotzen ist und nicht geduldet wird. Erfreulich, dass immer mehr versucht wird Veranstaltungen in barrierefreien Räumen zu veranstalten, dass auch Menschen im Rollstuhl ohne Stress und selbstbestimmt hin- und wieder wegkommen.

Ich habe in der letzten Zeit immer öfter erlebt, dass sich privilegierte für diskriminierte Menschen einsetzen und auf der einen oder anderen Party im “öffentlichen” (also nicht dezidiert “linken”) Raum sich einigen Ärger deswegen eingefangen haben. Es ist leider noch keine diskriminierungsfreie oder gar befreite Subszene, in der ich mich und viele andere sich bewegen. Das merke ich nicht nur daran, dass ich selbst noch Denkmustern unterliege, die scheiße und diskriminierend sind. Sondern auch daran, dass die Wichtigkeit des Kampfes gegen Diskriminierungen bei vielen Menschen sehr beschränkten Fokus haben.  Aber es ist ein erster Schritt in eine solidarische Richtung.

Wichtig ist der Kampf gegen Rassismus und Faschismus. Außerdem wichtig der gegen Antisemitismus. Mittlerweile (und nach langem Diskussionen und Thematisieren) auch der Kampf gegen Sexismus und Homophobie. So gut wie fremd ist der Kampf gegen Lookism und Fatshaming.

Ich habe schon mehrfach beobachtet, erzählt bekommen und am eigenen Leibe erfahren müssen, wie wenig sich eingesetzt wird, wenn Menschen aufgrund ihres Aussehens blöd angemacht werden. Und wie normal es ist, andere zu bewerten oder in Schubladen zu stecken aufgrund der Sneakermarke, die sie tragen. Wenn es tatsächlich so leicht ist nur aufgrund der Kleidung dieser oder jeder Strömung anzugehören, gehe ich nur noch mit einem Kartoffelsack vor die Tür. Wobei das nicht unbedingt dazu beitragen würde, dass man mich in Ruhe lassen würde.

Ich werde nämlich nicht nur lookistisch begutachtet, sondern auch gefatshamet (furchtbare Wortneuschöpfung). Wie oft es mir mittlerweile vorgekommen ist, dass mich Kerle (ich wurde bisher nur ein einziges Mal von einer Frau* gefatshamet- was es natürlich nicht besser macht) blöd angemacht haben, wenn ich fatpositive Beiträge geteilt habe auf Facebook oder Twitter. Ich solle gefälligst aufhören ungesunde Lebensweisen zu supporten. Dazu sehe das unsexy aus (aha, Frau* darf nicht unsexy sein, niemals unsexy sein. Muss ich mir fix irgendwo aufschreiben…). Und wieso ich eigentlich nicht einfach abnehme, ich bin doch “eigentlich” ne Hübsche. Manchmal wurde mir gesagt, dass ich mich schämen soll für das, was ich bin (eine schwanzabschneidende, fette… ja was? Feminist killjoy?). Mir wurde schon Gewalt angedroht (“Ich zwing dich schon zum Laufen, ist auch gut für deine Figur!”, offen ins Gesicht gesagt wie widerlich fett und abstoßend ich bin. Und wisst ihr was? Das kam alles von “linken” Menschen. In “linken Schutzräumen”.

Mir ist niemand zur Seite gesprungen, als ich mich einmal jemanden anvertraute, wurde nur gesagt, dass ich mich nicht so anstellen soll. Abnehmen wäre doch eigentlich eine gute Idee und die Dinge, die mir gesagt wurden, sind auch keine Diskriminierung. Mir gehts doch gut, mit meinem Gejammere lenke ich von denen ab, die ernsthaft diskriminiert werden.

Ich bin mit meinem Latein am Ende. Wenn meine Erfahrungen (und die der vielen anderen dicken_fetten Menschen innerhalb “linker” Räume) nicht wert sind beachtet und bekämpft zu werden, kann ich mich nicht mehr wohl fühlen. In der Gesellschaft eh noch nie, in “linken” Räumen auch nicht mehr. Nirgendwo mehr.

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