Die moderne Rolle der Frau- eine antike Rolle der Frau?

Beim Rumklicken im Netz trifft man immer wieder mal auf schöne Blogs und tumblrs. So bin ich auf folgenden tumblr gestoßen (http://bodyconfidencerevolution.tumblr.com), den ich wirklich sehr liebe. Frauen aller Formen sind dort auf mehr oder weniger professionell geschossenen Fotos zu sehen. Die Bilder zeigen ganz normale Frauen, wie wir sie niemals in den Medien zu Gesicht bekommen würden: mit Dehnungsstreifen, dicken oder dürren Körpern, faltig und dabei vor allem zufrieden. Es sind glückliche Frauen gezeigt.

Glücklich. Moment, ich blätte mal eben durch eine random Modezeitung, die in einer Ecke meines Zimmers rumfliegt. Ich sehe grazile, dünne Körper. Enthaart, Falten- und Dehnungsstreifenlos. Perfekt. Aber künstlich. Irgendwie Ausstrahlungslos und gelangweilt. Ist es das, was die Gesellschaft von Frauen will? Perfekt, aber langweilig? Erinnert mich an das Frauenbild in Deutschland so im 17. Jahrhundert- Frauen sollten nette und interessante Accessoires beim nachmittaglichen Tee oder bei geselligen Zusammenkünften sein. Sie sollten hübsch anzuschauen sein, möglichst irgendein Instrument zur Unterhaltung beherrschen und in “Frauen”kram (wie zB kochen und nähen) bewandert sein um Nachbars Frau unterhalten zu können. Frauen sollten nichts wissen von Politik, Ökonomie (außer vllt immer das günstigste aufm Wochenmarkt zu kaufen) oder gar Philosophie. Wieso auch? Brauchen sie ja auch nicht um Kinder zu bekommen und den Ehemann glücklich zu machen.

Es gruselt mich bei dem Gedanken. Auch ich hab schon oft genug dreist-sexistische Sprüche abbekommen wie “Wieso willst du wissen, wie du die Kette an deinem Rad wechselst? Frag doch einfach mich/ random männlicher Name/ Fahrradwerkstatt” oder “Naja, Geschichte is ja schon eher ein Fach für richtige Kerle. Da gehts ja hauptsächlich um Kriege.”. Aber dieser platte Sexismus verbunden mit dem Idealbild unserer Gesellschaft macht aus Frauen wieder nett anzuschauende, dummgehaltene Püppchen, wie es sie im 17. Jahrhundert schon gab. Emanzipation, Empowerment, Aufklärung- alles fürn Arsch?! 

Ich überlege weiter. Klar, hab ich schon mit Männern gesprochen, die sich genau diese Art Frau wünschen. “Eine, die man beschützen kann”. Meinen sie damit eine Frau, die so hilflos gehalten wurde, dass sie einfach immer (männliche) Hilfe braucht? Frauen und ihre Rollen werden also von Männern gestaltet und aufdiktiert. Glücklicherweise traf ich auch andere Männer, denen Feminismus und die Gleichstellung aller Geschlechter wichtig ist. Leider scheinen die eine Minderheit zu bilden.

Argh, das sind Momente, in denen ich wütend werde und mich wahnsinnig darüber ärgere, dass Frauen nicht selbst entscheiden können wie Frau zu sein hat- egal ob vom Verhalten oder Aussehen. Grr.

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Sind wir Schlampen?

Slutshaming (also die öffentliche Niedermachung von Frauen, indem man sie als Schlampen bezeichnet) ist ein Thema über da sich schon oft gesprochen habe. Meistens in Gesprächen mit- ich sag mal- “bürgerlicheren” Leuten. Meistens begannen die Gespräche mit der Aussage, dass Frauen selbst dran schuld sind, wenn sie vergewaltigt oder sexuell belästigt. “Wieso tragen die auch so kurze Röcke und große Ausschnitte? Das ist nuttig, die wollen es doch so!” Ich war zuerst geschockt darüber, dass es ernsthaft Menschen gibt die so denken. Dann war ich wütend. Reichen denn kurze Röcke und tiefe Ausschnitte schon, dass Täter (ich nutze hier den männlichen* Ausdruck, da die Gewalt meistens von Männern gegenüber Frauen ausgeübt wird) einfach zugreifen? Und wieso wird dieses übergriffige Verhalten relativiert und als “normal” hingenommen? Ist es tatsächlich normal als Mann immer freien Zugriff auf Frauen zu haben? Wieso ist es für Frauen nicht so?

Dieses ganze Ding ist wieder eine patriarchale Angelegenheit. Männer* versuchen zu dominieren, indem sie sie nicht nur sexuell beherrschen und/ oder unterdrücken wollen. Sie versuchen durch Kleidungsvorschriften und slut shaming (“Wie sieht die denn heute wieder aus, richtig nuttig!”) zu bestimmen.

Immer öfter lese ich (uA auch im Kleiderkreisel- Forum), dass dort Mädchen* und Frauen* gegen andere Frauen* hetzen. Wörter wie “Weiber” oder “Scheißschlampen” sind keine Seltenheit. Es herrscht eine grundlegende Ablehnung gegenüber anderen Frauen:
-geht der Freund fremd, ist es nicht seine Schuld. Es war ja sie, die ihn angeflirtet hat. Das der Freund vielleicht erst gar nicht erwähnt hat, dass er eine Freundin hat, wird konsequent ausgeblendet.
-während Männer picklig und dick sein können (“wenn er zuviel Zeit im Bad verbringen würde, wäre er ja voll schwul” “Männer können es sich erlauben dick zu sein, ich steh auf breite Schultern!”), werden andere Frauen für jedes Beinhaar, jede Speckrolle zu viel angeglotzt (“Man, ist die ungepflegt! Außerdem scheints ihr ja gut zu schmecken…”)

Diese Misogynie unter Frauen nervt mich. Dieses ständige Schlechtmachen des Aussehens von anderen Frauen* um selbst bei anderen Männern* besser dazustehen ist so verlogen. Wie kümmerlich unser Selbstwertgefühl dahinsiecht im Konkurrenzkampf um Männer*.

Feminismus

Ich bin seit mehreren Jahren in der Linksjugend [‘solid] aktiv. Dieser Verband versteht sich unter anderem als feministisch, was die meisten der Mitglieder wohl auch sind. Allerdings gibt es einige unsolidarische Menschen in ihr, die das ganze sehr anders sehen. Es wurde doch tatsächlich schon behauptet, dass Feminismus nur dazu da wäre um Männer zu unterdrücken. Manchmal glaube ich, dass der Feminismus einer der am Liebsten fehlverstandensten Konzepte der Welt ist. Feminismus heißt nach Wikipedia:

Feminismus (abgeleitet von französisch féminisme) ist sowohl eine akademische als auch eine politische Bewegung, die für Gleichberechtigung, Menschenwürde, die Selbstbestimmung von Frauen sowie das Ende aller Formen von Sexismus eintritt. 

Kurz: Feminismus fordert für Frauen die gleichen Selbstbestimmungsrechte, die Männer schon lange haben. Also fordert Feminismus nichts weiter als Gleichberechtigung. Ich habe schon viel mit Freund_innen über Feminismus und Gleichberechtigung diskutiert, vor allem Männern stellte ich die Frage, wieso viele (nicht alle!) ihrer Geschlechtsgenossen sich so gegen den Feminismus sträuben. Wir fanden die Antwort darin, dass es für Männer schwer ist ihre Macht abzugeben und auf ihre männlichen Privilegien zu verzichten. Wenn Frauen gleich”mächtig” wären, wäre es ja nichts mehr besonderes ein Mann zu sein. Männern wird von Kleinkindalter auf antrainiert, dass sie stärker sind als Frauen und Mädchen. Männer dürfen nicht weinen, sollen nicht emotional sein und gelten als “Memmen”, wenn sie sich nicht regelmäßig prügeln. Männer sind keine Schlampen, wenn sie wechselnde Partner_innen haben (Frauen dagegen schon). Für Männer ist es in der Regel eine Schande weiblich zu sein.

Wenn man sich die andere Seite (also die der Frau betrachtet) sieht man folgendes: Frauen sollen emotional und “weich” sein. Frauen sind zugleich Sexobjekt und wohlgehütete Madonna (welcher Mann will schon eine Schlampe haben? Aber sexy soll sie doch schon sein). Für Frauen ist es ein Kompliment, wenn sie Sport machen “wie ein Mann” oder “ein richtig harter Chef” sind (hier wurde bewusst die männliche Form gewählt).

Unsere Gesellschaft ist patriarchal (also wird vom Mann dominiert, wörtlich sowas wie „Väterherrschaft“). In dieser Gesellschaft leben dazu viele Menschen, die ein Weltbild des Androzentrismus haben und den Mann als Mittelpunkt und Norm ansehen. Die Frau ist von dieser Norm und dem Soll nur eine Abweichung. Hier ist der Mann und die männliche Sicht der Dinge allgemeingültig. 

Ich bin der Meinung, dass viele Männer (natürlich gibt es auch viele Frauen, die so denken, aber dazu wann anders mehr), die androzentristisch und patriarchal denken nicht unbedingt sexistische Idioten sind. Viele kennen es nur einfach nicht anders. Deshalb ist es die Aufgabe des Feminismus und den Anhänger_innen klar zu stellen, dass Feminismus Gleichheit bedeutet. Hier hat Jede_r die Freiheit sich so zu verhalten, wie sie oder er es möchte. Lange Haare, Nagellack, Bier und Fußball sind für alle da. 

Yes, i am a feminist. No, i don’t hate men.