Queer und so.

Der Begriff Queer umfasst einen großen und schillernden Bereich. Dazu zählen irgendwie alle Menschen, die sich nicht dem heteronormativen und cis-sozialisierten Spektrum zuordnen (Heteronormativ bedeutet für mich in diesem Fall eine monogame, romantische Zweierbeziehung zwischen Mann und Frau. Cis- Sozialisiert heißt, dass man als Mann/ Frau geboren, so sozialisiert wurde und sich mit diesem Gender richtig im eigenen Körper fühlt. Cis ist also das Gegenteil von Trans. So sind zB schwule Männer Cis- Männer, auch wenn sie nicht heteronormativ sind).

Queer bedeutet für mich, dass sich hier Menschen wiederfinden können, deren sex, gender und/ oder desire nicht gesellschaftskonform ist/ sind. Vielleicht könnte man hier noch Menschen dazu zählen, die aufgrund randomisierter Gegebenheiten nicht “normal” sind, wie fette/ dürre Menschen oder Menschen mit körperlichen/ geistigen/ seelischen Behinderungen (da das allerdings nicht so einfach zu definieren ist und ich mir nicht anmaßen möchte zu entscheiden wer wann irgendwie nicht “normal” ist, schreibe ich nicht darüber. Ich bin allerdings sehr interessiert darüber zu lesen/ diskutieren, falls hier jemand mehr Ahnung von der Materie hat als ich).

Es gibt viele queere Gruppen und Verbände, die Politik für Menschen machen, die nicht in das heteronormative, Cis- Raster passen. Hier soll die Vielfalt von Menschen dargestellt werden. Es ist sehr wichtig, dass Menschen jenseits dieser Normen vertreten werden und in der Öffentlichkeit zu Tage treten. Nur muss ich sagen, dass mich diese Gruppen immer öfter sehr irritieren. Diese Gruppen bestehen in der Regel aus Männern. Aus schwulen Männern zwar hauptsächlich, aber es sind Männer. Cis- Männer. Bei CSD- Vorbereitungstreffen fällt es schon auf, wenn eine Frau dazwischen sitzt. Ob cis, trans, homo oder hetero ist erst mal egal. Wow, eine Frau. Wenn man dann näher schaut und es ein Trans- oder Intermensch ist, ist es noch seltener. 

Versteht mich nicht falsch: ich finde es toll, wenn sich Menschen engagieren. Egal wie sie aussehen oder lieben. Aber es enttäuscht mich und macht mich nachdenklich, wieso selbst queere Gruppen es einfach hinnehmen und nicht hinterfragen, dass fast ausschließlich (Cis-) Männer durchgängig vertreten und dauerhaft präsent sind. Das Patriarchat wird ohne groß zu hinterfragen weiter reproduziert. Ich fühle mich als nicht-schwuler Cis- Mann und nicht heterosexuelle Frau nicht vertreten, wenn ich CSD- Flyer mit darauf abgebildeten eingeölten, oberkörperfreien, jungen und durchtrainierten Cis- Männern sehe. Ich finde es toll und schön, schwule Paare in der Öffentlichkeit zu sehen. Es ist furchtbar wichtig, dass es diesen Freiraum gibt. Aber was ist mit der vom CSD angesprochenen Vielfalt? Besteht die nur aus hübschen, halbnackten Männern, weil sie nett anzusehen sind? Nimmt man sie als Aufhänger, weil eben Männer einfach präsenter sind? Oder sagt man sich, dass hauptsächlich Männer hier vertreten sein sollen, weil sie in der Gesellschaft besonders von Homophobie betroffen sind?

Kann durchaus sein, aber was ist mit Menschen, die von Transphobie, Interphobie, Biphobie Misogynie oder sonstigen dummen Ausgrenzungsmechanismen betroffen sind? Sind die es nicht wert, auf Flyern und in der Öffentlichkeit dargestellt zu werden? Wieso sind es nie schwule Paare über 60 die auf solchen Flyern zu finden sind? Wieso nie Crossdresser_innen? Wieso nie fette, haarige Menschen?

Ne sorry, CSD. Deine “Vielfalt” ist nicht meine.

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